Geneology - Clüvers / Klüvers (german)


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Das 1000jährige niedersächsische Geschlecht der Clüver



Die Macht der heimischen Ritter - Ein kriegerischer Bischof von Verden und seine Schwäche gegenüber dem Rittertum.

Die Geschichte unserer engeren Heimat führt uns in einen Zeitraum von rund tausend Jahren sehr oft mit dem Namen Clüver zusammen. Das Rittergut in Klein- Häuslingen ist auch eine Gründung des Geschlechtes Clüver und erst im 13. Jahrhundert von der Familie von Behr erworben. Das Gut in Neddernhude gehörte auch in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts einem Clüver und kam 1880 durch Einheirat in den Besitz der Familie Niebuhr. Auch das Gut ``Zum Hingste“ ist früher im Besitz der Familie Clüver gewesen. Der Siebenmeierhof in Magelsen gehört dem Major Erwin Clüver; der Erbe, ein Neffe des jetzigen Besitzers, fand den Heldentod auf dem Felde der Ehre. Die Güter in Cluvenhagen, Baden und Leffel sind gleichfalls einst Clüversche Besitzungen gewesen.



Aber nicht nur als Grundherren begegnen uns Angehörige dieser Familie, auch haben sie Vertrauensstellungen für den Bremer Erzbischof und den Verdener Bischof gehabt. So hatten die Clüver aus Cluvenhagen lange Zeit das Sogeriche in Achim inne. Alberich Clüver war Sograf zu Langwedel; von ihm stammen die Sogräfen zu Achim. Obwohl das Amt des Sografen nicht erblich war, wussten die Clüvers doch bei jedem Wechsel die Wahl auf sich zu lenken und behaupteten sich fast ununterbrochen in ihrer Würde. Ein Wandel trat erst ein, als die Schweden die Herzogtümer Bremen und Verden in Besitz genommen hatten. Bevor der 30jährige Krieg zu Ende ging, enthob der schwedische General Graf Königsmard Otto Clüver seines Amtes. Letzterer bemühte sich, das Amt auf dem Rechtswege wiederzubekommen, scheiterte aber immer wieder am hartnäckigen Widerstand der schwedischen Regierung. Schließlich rief Otto Clüver das höchste schwedische Gericht, das für die deutschen Besitzungen Schwedens in Wismar eingerichtet worden war, an. Otto Clüver starb aber vor dem Urteilsspruch im Jahre 1660.

Ein Flügel der Kirche in Achim wird die „Clüvers-Kapelle“ genannt. Dieser Flügel soll von der Familie erbaut worden sein. Es wird berichtet, dass die Schule in Achim von Lüder Clüver aus Clüvershagen (heute Cluvenhagen genannt) aus seinen Mitteln erbaut sein soll. Lüder Clüver steuerte auch zum Gehalt des Lehrers fortlaufend einen Betrag zu, damit, wie es in der Stiftungsurkunde heißt:“ ein guter Schulmeister bestellt werden konnte“.

1000jährige Familiengeschichte! Bisher ist uns eine solch alte Niedersächsische Familie nicht bekannt geworden.

Man zählt die Clüver zu Bremischen Ritterschaft; das Adelsprädikat haben sie aber nie geführt. Allerdings gab es in Niedersachsen eine ganze Reihe von Namen, deren Träger das Adelsprädikat nicht führten, aber doch zu den so genannten „ schönen Familien“ gerechnet wurden, die stets eine Vertrauensstellung für die Landesherren besetzten. Dazu haben auch sicherlich die Clüver gehört. Übrigens ist die Familie nicht nur in Niedersachsen vertreten, sondern auch in anderen Landesteilen Deutschlands. So wurde 1580 in Danzig der Philosoph, Geograph und Altertumsforscher Cluver (Clüver) geboren, der 1623 zu Leiden in den Niederlanden gestorben ist. Er war ein bedeutender Gelehrter, der den ersten gelungenen Versuch einer systematischen Behandlung der historisch-politischen Geographie unternahm. Von größter Bedeutung waren auch seine Altertümlichen Beschreibungen von Italien und Deutschland.

Die Niedersächsischen Clüver waren vielfach Offiziere in der schwedischen, in der hannoverschen und in der preußischen Zeit. Schon vom 10.Jahrhundert an hört man in der Heimatgeschichte den Namen Clüver. Sie werden regelmäßig im gleichen Zusammenhange mit den Rittern unserer Heimat genannt, aber auch immer wieder als tüchtige Landwirte. Zu tun gab es Damals ja sehr viel. Heide, Bruch und Wasser waren noch die Kennzeichen weiter Strecken Niedersachsens. Die Wirkungen des 33 Jahre alten Krieges, den Karl der Große gegen die Sachsen geführt hatte, waren noch nicht vernarbt. Das unterworfene Volk gewöhnte sich erst nach und nach an die neue Ordnung, die mit dem Verlust der persönlichen Freiheit verbunden gewesen war. Die Besitzverhältnisse hatten sich völlig verschoben. Diejenigen die den Fortschritt der Zeit erkannt hatten und mutig zupackten, erwarben sich das Wohlwollen des Siegers, konnten ihre Besitzungen ausdehnen und ihre Herrenrechte festigen und vermehren. Die anderen verharrten in geheimer und offener Feindschaft und hatten das mit allerhand Nachteilen zu bezahlen. In dieser Zeit soll der Unterschied zwischen Adligen, Frielingen und Liten (rechtlose Bauern) schärfer geworden sein. Hinzu kam noch für die verarmten Stände, dass Karl der Große die Abgabe des Zehnten von der Ernte einführte.

Die Familie Clüver litt offenbar nicht unter der Zeit, sondern vergrößerte ihren Reichtum von Jahr zu Jahr. Die Blütezeit des deutschen Rittertums kam; langsam wuchs die Macht der Fürsten und der Städte. Das Ansehen und der Besitz der Ritter gingen dadurch zurück. Umsonst versuchten sie ihre bevorzugte Stellung zu erhalten und das Aufkommen des Bürgertums mit Gewalt zu Boden zu drücken. Was früher nur Ausnahme gewesen war und als solche gerügt worden war wurde Regel:

„ Reiten und Ruben bringt keine Schande, das tuen die Besten im Lande.“

Träger des steten und ruhigen Fortschrittes und damit auch der Freiheit werden die Bürger und wohl ummauerten Städte, die verhassten „Pfeffersäcke“.

Diese Erscheinungen haben in unsere Heimat nicht die Ausmaße erreicht, die uns die Geschichte aus anderen deutschen Gauen berichtet.

Beim Studium der Familiengeschichte oder Urkunden fällt auf, dass die Ritter Clüver niemals an Raubritterzügen beteiligt gewesen sind. Wohl aber heißt es in einer Urkunde, dass der Erzbischof Giselbert von Bremen mit dem Herzog Otto von Braunschweig im Jahre 1297 ein Bündnis abgeschlossen habe, in dem besonders die erzbischöflichen Ritter Clüver angehalten werden, mit Ritter Herbert v. Mandelsloh und Gerhard Slepegrell „zu Bremen ein Einlager zwecks Schlichtung zu halten“. Die braunschweigischen Ritter von Mandelsloh stehen aus der Heimatgeschichte heraus nicht in besonderem Rufe; offenbar haben die Clüver`s den Mandelsloh`schen energischen und erfolgreichen Widerstand entgegengesetzt.

Das die Clüvers volksfreundlicher gewesen sind, ist auch aus der Geschichte der Burg Langwedel zu entnehmen. Dort hatten Vögte eine grausame Justiz gegen die Untergebenen geführt. Auf den Rat des Bremer Domkapitels wurden andere Richter gewählt, die milder urteilten. Berufen wurden v. Gillen, Clüver, v.Frefe. Auch gegen die Machtgelüste der Bremer Erzbischöfe machten die Clüver wiederholt Front, hatten sie doch die Auswirkungen der Machtgelüste selbst erfahren. So gehörten der Familie einst auch die Güter der zu Wellen bei Beverstedt, ferner die Burg „ Monkove“. Stammburg ist aber Clüvershagen bei Daverden, das heute Cluvenhagen genannt wird. Für alle diese Besitzungen, die früher nur dem Kaiser unterstanden, mussten die Clüvers die Oberlehnherrschaft des Erzbischofs anerkennen.

Sie hatten im Kriegsfalle die höchste Rossdienstpflicht zu erfüllen, was mit der Bestellung von 16 Ritterpferden verbunden war.

Bischof Rudolf der I. von Verden 1195 die Burg Rotenburg. Den Grund und Boden hatte die Familie Clüver zu stellen, erhielt dafür aber die Verpflichtung des Bischofs, 18-360 Stück Neunaugen zu liefern.

Das Wappen oder Ritterschild der Clüver gibt darüber Aufschluss, dass die Familie einst „Clauen“ geheißen hat. Im Wappen befindet sich eine schwarze Bärenklaue im goldenen Feld. Auf dem offenen Helm sieht man eine blaue Kugel mit grünem Kranz, auf der eine goldene Säule mit Pfauenfedern sich erhebt. Ein alter Wappenspruch erklärt uns das Wappen oder den Ritterschild:



Die Fahnen und die Zierd des Helms können zeugen,

wie auch der Bärenfuß von eurem Löwenmut,

wie mancher stolze Feind für euch sich müssen beugen,

wenn Ehr und Vaterland begeistert euren Mut!




Als Vertrauensleute des verdener Bischofs werden aufgeführt:

De Cluver, de Clawen, de Cluvere mit der Bemerkung: “Se sind ein Geschlechtere, vor 200 Jahren de Clauen genannt; dessen al bre geford (geführt) ene Bärenclaue im Schilde“.

Der verdener Bischof wusste sich auch die Freundschaft der Ritter Clüver zu erhalten. Er erlaubte Hinrich Clüver an der Wieste inmitten auf sumpfigen Boden ein Schloss zu errichten. Wieder beobachten wir die Clüvers als Kolonisatoren eines bis dahin sumpfigen Landes.

Durch all die Sturmjahre ging die Familie Clüver ohne Schaden hindurch. Hinrich Clüver erbaute im Jahre 1460 die Burg „Clüversborstel“ im Kreise Rotenburg, im damaligen Bistum Verden, um gegen alle Stürme und Zeichen des Faustrechtes gesichert zu sein. Die Fachwelt behauptete, dass nach dem damaligen Stande der Kriegstechnik, die Burg ein uneinnehmbares Bollwerk sei, das von einem doppelten Wassergraben umgeben war. Clüverborstel lag auf der Grenze zwischen dem Erzbistum Bremen und dem Bistum Verden. Trotzig schaute die Burg in das weite ebene Land. Der Landesherr, der Bischof von Verden, bei dem die Clüver offenbar ohnehin nicht auf der Habenseite standen, erkannte bald, welche Gefahr ihm von der bremischen Seite drohte. Der Verdener Bischof war ein sehr kriegerischer Mann, sammelte innerhalb kurzer Zeit ein Heer und zog an der Spitze von 300 in seine Residenz ein. Er beschloss nun, die Zwingburg der Clüver zu zerstören. Die Chronik sagt darüber:

„anno 1489 ist das adlige feste Haus zu Clüversborstel belagert worden von dem Bischof zu Verden Bertolde von Landesbergen. Die Ursache war, weil Clüver von des Bischofs Vögten die ihm zustehenden Hammel und Neunaugen durch einen Abgesandten verlangte. Der bischöfliche Vogt verweigerte jedoch die Abgabe; sie erfassten darauf den Abgesandten Clüvers, schleppten ihn in den Keller und sperrten dem selben mit einem Eisen den Mund auf und legten ihn unter ein Fass Bier, unter welchem er elendig ersaufen musste.

Zur Rache auf diese Tat fielen die Ritter Clüver, darauf in das Gebiet des Bischofs ein, nahmen einige seiner Meier (Bauern) gefangen und warfen sie in ihr Burgverlies. Der Kirchenfürst selbst zog nun um die Fastenzeit des Jahres 1489 mit seinen Kriegsknechten vor die feste „Clüversborstel“ und begann damit eine regelrechte Belagerung. Hierbei geschah es, das seines Bruders Sohn, Ortrabe von Landesbergen, von einem Heckenschützen erschossen wurde.“

Auf Grund dieses Vorfalles gab der Bischof von Verden die Belagerung von Clüversborstel auf. Im Dom zu Verden stand später zu lesen: „Hier by düssen Pieler ligt begraben de tüchtige Ortrabe von Landesbergen, de da hett den Dodt erleden vor den Clüversborstel, um des Stifts willen, do man schreew 1489, up dem Sonndage tho den hilligen Fastekewend: dem Gott gnädig sy!“

Der Bischof von Verden fand sich nun mit dem Bestehen der Zwingburg Clüverborstel ab. Auch haben die Clüver ihre Hammel und Neunaugen bis zum Jahre 1610 von dem Verdener Bischof erhalten. Wir ersehen daran, dass die Clüver nichts von ihren Rechten abgaben, auch wenn sie dafür in den Kampf ziehen mussten.

Der Reichtum der Familie Clüver wurde offenbar immer größer. Die Chronik berichtet uns darüber folgendes: „Anno 1455 ist Bischof Johann zu Verden Hinrich Clüver und seiner Hausfrau Adelheiten 1000 Goldgulden schuldig geworden. Anno 1499 hat Bischof Johann: entlehnet von Hinrich Clüver und seiner Frauen 1100 Rheinische Gulden“. Es wird mit Bezug auf diese Mitteilung gesagt, dass die Clüver für dieses entliehene Geld eine Salzlieferung aus der bischöflichen Saline Lüneburg erhalten haben.

Noch höher stieg aber die Macht der Clüver. 1518 liehen sie dem Erzbischof von Bremen 2400 Goldgulden und erhielten dafür das Schloss in Ottersberg mit allen Gerechtigkeiten ausgeliefert und zwar so lange, bis das Kapital zurückgezahlt sei. Durch Heirat gelangten die Clüver auch in den Besitz der alten Wasserburg „Stuckenborstel“ im Kreise Rotenburg. Sie durften die hohe und niedere Jagt im ganzen Amt Ottersberg ausüben, weiter im Sogericht Achim und im Amte Thedinghausen. Später trat Hinrich Clüver seine Rechte an Ottersberg an das Geschlecht der bremischen Ritter v. Freese ab.

Als ein Clüver vom Erzbischof Albert die Burg Ottersberg als Pfand erhalten hatte, wollte der Erzbischof Otto, als Nachfolger Alberts, die Burg Ottersberg zurückhaben, ohne das Pfand zurückzuzahlen. Johann Clüver setzte sich zur Wehr und der Erzbischof Otto gab die Belagerung Ottersbers ergebnislos auf, zahlte nun aber das Pfand zurück um wieder Herr der Burg zu werden.

Ein nettes durcheinander war das damals offenbar in unserem Deutschland, das ein Ritter stärker war als die Landesherrschaft, die doch vom Erzbischof verkörpert wurde. Es war kein Wunder, bestanden doch in unserem deutschen Vaterlande zu der Zeit 1700 „Vaterländer“. Oftmals waren es nur einzelne kleine Dörfer, Gutsbezirke oder frei Städte, die sich völlig selbständig regierten und nur dem Kaiser unterstanden, dem Landesherren aber die „Zähne zeigten“. Im Hinblick auf die Befehlsgewalt des Kaisers galt für die 1700 Vaterländer das beruhigende Gefühl: „Der Himmel ist hoch und der Zar wohnt weit“.

Um 1414 ist Gise Clüver Besitzer der Burg Langwedel, vermutlich als Pfand für die Anleihe, die er dem Bremer Erzbischof gewährte. Als in dem selben Jahre die Friesen unter Dide Lübben die Stadt Bremen bedrohten, eilte Gise Clüver zusammen mit den Rittern v. Weyhe, v. Werpa und anderen der Stadt Bremen zu Hilfe.

Inder letzten Hälfte des 14. Jahrhunderts teilten sich die beiden Söhne Johann Clüver, Gise und Alperich, den ausgedehnten Besitz. Die ältere Gise`sche Linie übernahm Clüversborstel; die jüngere Linie Clüvershagen oder Cluvenhagen. Mit dem 16. Jahrhundert scheint sich die jüngere Linie in zahlreiche Zweige gespalten zu haben; man findet Clüvers von da an in Baden, in Embsen, Clüverswerder und Sagehorn, wo auch zum Teil noch Reste alter Burgen zu finden sind.

In Baden und Leffel war das Geschlecht der Clüver im Mannesstamme inzwischen erloschen; durch Einheirat gehörten die Besitzungen den Herren v.d. Lieth. Letztere hatten erlebt, dass die neu ins Land gekommenen schwedische Herrschaft Otto Clüver seines Amtes als Sogräfe enthob, das alle Bemühungen, das Sogericht Achim wiederzubekommen, von der schwedischen Regierung abgelehnt wurden. Die Herren v.d. Lieth suchten nun wenigstens die Patronatsrechte über die Kirchen in Achim und Daverden zu halten. Aber auch damit wurden sie von Stockholm abgewiesen, angeblich weil sie ihr Recht nicht genügend beweisen konnten.

Die Ursachen, das die Schweden die Familie Clüver vollständig aus jeder Regierungsgewalt ausschalteten, liegt klar auf der Hand. Gewiss haben die Cüver zur Förderung ihrer Heimat viel getan, immerhin achteten sie peinlich genau auf die Erhaltung ihrer Rechte. Wir haben es daran gesehen, dass ein Clüver aus Clüversborstel mit Waffengewalt seine Ansprüche auf Hammel und Neunaugen durchzusetzen wusste. Der eigentliche Landesherr im Bistum Verden, der Bischof, musste mit seiner „Streitmacht“ die Belagerung der Burg Clüversborstel aufgeben, weil die Machtverhältnisse der Familie Clüver stärker waren als die des Landesherren.

Mancherlei Verdienste haben sich die Schweden in der Zeit ihrer Regierung über die Herzogtümer Bremen und Verden erworben. Zweifellos ist die radikale Aufhebung von Sonderrechten, wie sie im alten Deutschland innerhalb des Machtbereiches der einzelnen Länder bestanden, das größte Verdienst der Schweden für unsere Heimat. In anderen Gauen wagte man vielfach nicht diese Sonderrechte aufzuheben. Die starke schwedische Regierung räumte mit diesem Plunder auf, so gründlich, dass man auch die Patronatsrechte über eine Kirche der einst so mächtigen Familie Clüver oder deren Rechtsnachfolgerin nicht ließ.

Die Clüver rannten nun aber nicht grollend hinter den neuen politischen Verhältnissen her; sie traten auch der schwedischen Armee bei. Als königlich schwedischen Leutnant finden wir Cord Clüver im Stammbaum der Familie. Allerdings scheint er schon bald seinen Abschied erbeten zu haben, um sich der Wirtschaft zu widmen. Auf diesem Gebiet hatten die Clüver ja stets die größten Verdienste.

Dieser Cord Clüver gilt als der Begründer der Linie Magelsen des Clüverschen Geschlechts.

Als er 1682 starb, hinterließ er seinen Kindern den Siebenmeierhof in Magelsen, ferner die Besitzungen Neddernhude und zum Hingste. Im Laufe der Zeit sind diese drei herrlichen Wesermarsch-Besitzungen nicht in einer Hand vereint geblieben. Ein Clüver teilte seine Güter unter seinen Söhnen auf. Um 1880 war auf Neddernhude dieser Zweig der Familie im Mannesstamme erloschen, Segelke Niebuhr aus Spraken im Kreise Grafschaft Hoya heiratete die Tochter des letzten Clüver auf Neddernhude und wurde damit Besitzer des Wesermarschgutes. Auf dem Gut „zum Hingste“ herrscht auch kein Clüver mehr; der Besitz hat im Laufe der Zeit mehrfach den Gutsherren gewechselt.

Nach einer Überlieferung sind dem Begründer der Linie Clüver in Magelsen die drei Besitzungen Siebenmeierhof in Magelsen, Neddernhude und zum Hingste von der Landesherrschaft geschenkt worden. Möglich ist es auch durchaus, denn es war die Zeit des dreißigjährigen Krieges. Die Erschütterungen die dieser Krieg für unser Niedersachsen im Gefolge hatte, führten dazu, dass eine Reihe von einst blühenden Höfen oder Gütern wüst liegen blieben, wie es der zeitgemäße Ausdruck war. Das wird höchstwahrscheinlich auch in Magelsen mit dem Siebenmeierhof, mit Neddernhude und zum Hingste der Fall gewesen sein. Die Landesregierung freute sich daher, dass ein Mitglied der Familie Clüver bereit war, als bekannt tüchtiger Landwirt den Wiederaufbau der Besitzungen zu übernehmen.

Was heißt nun Siebenmeierhof? Es sind nicht sieben zusammengelegte Meierhöfe, sondern der Begriff findet dadurch seine Erklärung, dass für das Kloster in Bücken zu katholischer Zeit sieben Besitzungen geschaffen wurden, die für das Kloster die Lebensmittel sicherzustellen hatten. Dazu gehörten neben dem Hof Magelsen noch die Siebenmeierhöfe in Wülden (v.Waldthausen), Mahlen (Meyer), Mehringen (Stegemann), Stendern und Effen. Der siebente Hof befand sich in Bücken, der aber aufgeteilt worden ist. Auf den genannten Besitzungen hatten die Canonici (Domherren) des Bücker Klosters das Recht, all jährlich vier Wochen zu wohnen. In jeder Weise wollte sich das Bücker Kloster durch die sieben Höfe sichern, so erhielt der Stegemann`sche hof in Mehringen in der Hämelheide Gelände um hier einen Bienenzaun anlegen zu können, damit der Wachsbedarf für die Kirchlichen Zwecke des Klosters gewährleistet sei.

Das Rittertum hat seine Bedeutung verloren; das Soldatentum ist in der Familie Clüver wachgeblieben. Der jetzige Besitzer des Siebenmeierhofes in Magelsen, Major Clüver, ist trotz seiner 67 Jahre noch Leiter der Pferdeaushebungskommission für die Kreise Hoya und Nienburg. Als junger Offizier ging er 1905/0 freiwillig nach unserer Kolonie Deutsch Südwestafrika und kämpfte hier gegen die Hereros. Aus dem ersten Weltkriege kehrte Major Clüver mit hohen Tapferkeitsauszeichnungen heim.



Heinrich Lüdemann
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